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Emys·HomeEuropäische Sumpfschildkröte

Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis): der Steckbrief

Sie ist die einzige Schildkrötenart, die in Mitteleuropa von Natur aus vorkommt – und zugleich eine der am wenigsten gesehenen. Dieser Steckbrief fasst zusammen, woran man Emys orbicularis erkennt und wie sie lebt.

Europäische Sumpfschildkröte mit den typischen gelben Punkten auf Kopf und Hals
Europäische Sumpfschildkröte mit den typischen gelben Punkten auf Kopf und HalsFoto: George Chernilevsky, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Steckbrief

Wissenschaftlicher Name
Emys orbicularis (Linnaeus, 1758)
Familie
Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae)
Panzerlänge
je nach Herkunft unter 12 bis über 20 cm
Gewicht
meist 400–700 g, Ausnahmetiere bis etwa 1,5 kg
Nahrung
vor allem Wasserschnecken, Krebstiere, Insektenlarven, Kaulquappen, Aas; dazu Wasserpflanzen
Fortpflanzung
Eiablage an Land, meist im Juni; im Mittel 9–15 Eier
Schutzstatus
FFH-Richtlinie Anhang II und IV; in Deutschland vom Aussterben bedroht

Eine Schildkröte mit langer Geschichte

Der Name ist alt: Schon Aristoteles sprach von einer Süßwasserschildkröte und benutzte dafür das griechische Wort „emys“. Carl von Linné führte die Art 1758 in seinem System der Natur als Testudo orbicularis, die heutige Gattung Emys stellte André Marie Constant Duméril 1806 auf. Der Artname orbicularis bedeutet sinngemäß „mit kleinen Kreisen“ – gemeint sind die gelben Punkte, die bei vielen Tieren über Panzer, Kopf und Beine verstreut sind.

Obwohl sie „europäisch“ heißt, gehört die Art zu den Neuwelt-Sumpfschildkröten, deren meiste Vertreter in Amerika leben. Ihre nächsten Verwandten sind neben der Sizilianischen Sumpfschildkröte zwei nordamerikanische Arten. Im Jahr 2015 war sie in Deutschland „Reptil des Jahres“.

Größe, Panzer und Färbung

Die Europäische Sumpfschildkröte ist klein bis mittelgroß. Wie groß ein erwachsenes Tier wird, hängt stark von seiner Herkunft ab: Nördliche und östliche Formen erreichen deutlich mehr als 20 Zentimeter Rückenpanzerlänge, viele südliche bleiben unter 15 Zentimetern. Weibchen werden in der Regel größer und schwerer als Männchen.

Rücken- und Bauchpanzer der Europäischen Sumpfschildkröte Carapax (Rückenpanzer) Plastron (Bauchpanzer) oft mit dunklem Zentrum, sehr variabel dunkel mit gelben Punkten oder Strahlen Brücke
Rücken- und Bauchpanzer schematisch: Der Carapax ist oval und eher flach, der Bauchpanzer wird im Alter über ein Scharnier etwas beweglich.

Der Rückenpanzer (Carapax) ist oval, eher flach und meist dunkelbraun bis schwarz. Darauf sitzen – mal dicht, mal kaum sichtbar – gelbe Punkte oder feine Strahlen, die vom Zentrum der einzelnen Schilde ausgehen. Es gibt aber auch Formen mit dunkler Zeichnung auf hellem Grund. Der Bauchpanzer (Plastron) ist ausgesprochen variabel: einfarbig gelb, gefleckt, dunkel mit hellem Rand oder fast ganz schwarz. Bei älteren Tieren bildet die Mittelnaht des Bauchpanzers ein Scharnier, sodass der vordere Lappen etwas beweglich wird – ein vollständiges Verschließen wie bei Dosenschildkröten ist aber nicht möglich.

Kopf und Hals sind glatt und dunkel, meist ebenfalls gelb gesprenkelt. Die Kiefer tragen scharfe Hornschneiden statt Zähnen, zwischen den Zehen spannen sich Schwimmhäute. Auffällig ist der lange Schwanz: Bei Schlüpflingen ist er fast so lang wie der Panzer, bei erwachsenen Tieren erreicht er noch etwa die halbe Panzerlänge.

Männchen oder Weibchen?

Bei erwachsenen Tieren lassen sich die Geschlechter meist gut unterscheiden. Die wichtigsten Merkmale:

  • Schwanz: Männchen haben eine deutlich dickere Schwanzwurzel, die Kloake liegt klar hinter dem Rand des Rückenpanzers.
  • Augen: Männchen vieler Populationen, besonders der in Deutschland vorkommenden Nominatform, haben eine rötliche bis bräunliche Iris; die Iris der Weibchen ist meist gelb.
  • Größe und Form: Weibchen sind größer, ihr Panzer ist etwas stärker gewölbt.
  • Krallen: Die Vorderkrallen der Männchen sind stärker gekrümmt.

Bei Jungtieren helfen diese Merkmale nicht. Wer Nachzuchten kauft, erfährt das Geschlecht oft erst nach einigen Jahren – mit einer Ausnahme, die mit der Bruttemperatur zu tun hat (mehr dazu im Beitrag über den Jahreslauf).

Bauchpanzer einer Europäischen Sumpfschildkröte: Die Zeichnung ist von Tier zu Tier verschieden.
Bauchpanzer einer Europäischen Sumpfschildkröte: Die Zeichnung ist von Tier zu Tier verschieden.Foto: George Chernilevsky, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Lebensweise in Kürze

Emys orbicularis lebt überwiegend im Wasser, verlässt es aber regelmäßig: zum Sonnen, für die Eiablage und gelegentlich für Wanderungen zwischen Gewässern. Bevorzugt werden stille oder langsam fließende, pflanzenreiche Gewässer mit schlammigem Grund, flachen, gut erwärmten Zonen und reichlich Totholz als Sonnenplatz. Bei Störung taucht sie blitzschnell ab – deshalb bekommt man sie in der Natur so selten zu Gesicht.

Gefressen wird ausschließlich im Wasser, weil die Tiere nur untergetaucht schlucken können. Den Winter verbringen sie in Kältestarre am Gewässergrund. Mehr zu Lebensraum und Verbreitung und zur Ernährung finden Sie in eigenen Beiträgen.

Verwechslungsgefahr

Die meisten Wasserschildkröten, die man in Parkteichen oder Baggerseen in Deutschland sieht, sind keine Europäischen Sumpfschildkröten, sondern ausgesetzte nordamerikanische Schmuckschildkröten. Sie haben meist gelbe oder rote Streifen an Kopf und Hals statt Punkten. Wie man die Arten auseinanderhält und warum Aussetzen verboten ist, steht im Beitrag Schildkröten im Gartenteich.

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