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Haltung und Zucht der Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis)

UnterbringungFütterungÜberwinterungZuchtKrankheitenArtenschutz


Unterbringung

Gartenteich für Europäische Sumpfschildkröten
Schildkrötenteich Zwei Europäische Sumpfschildkröten sonnen sich im Gartenteich
Gartenteich für heimische Sumpfschildkröten und zwei Emys beim Sonnenbad

TIPP >>> Probleme mit Algen im Gartenteich. Eine mögliche Lösung finden Sie hier!

TIPP >>> Wenn Sie außer Sumpfschildkröten auch Landschildkröten haben und/oder Katzen zum Problem werden könnten, empfiehlt sich eine dichtbepflanzte umlaufende Sumpfzone mit 5 - 10 cm Wasserstand von etwa 50 cm Breite. Katzen können so nicht direkt am Teich auf Beute lauern und Landschildkröten können trinken aber nicht ertrinken. Diese Sumpfzone kann evtl. getrennt vom übrigen Teich angelegt werden und so als Filtergraben dienen. Eine Trennung vom übrigen Teich hat den Vorteil, daß ausgefilterte Sedimente nicht aufgewirbelt werden und filterndes Teichplankton z.B. Wasserflöhe nicht gefressen werden.

 

Aquaterrarium für die Übergangszeit, vor allem bei südlichen Unterarten

Falls große, sich leicht erwärmende Flachwasserzonen vorhanden sind und die Wände des Teiches nicht zu steil sind, verbleiben Tiere der Nominatform, also die mitteleuropäische Unterart der Europäische Sumpfschildkröte, am besten auch in der kühleren Jahreszeit im Gartenteich. Andernfalls ist ein geräumiges, gut strukturiertes Aquaterrarium mit Sonneninsel erforderlich.

Aquaterrarium für Europäische Sumpfschildkröten

  • Sonnenplatz: ca. 35-40°C, Strahlungs-, nicht Lufttemperatur, auf geeigneten Meßfühler achten. Terrarien-Thermometer mit durchsichtiger Abdeckung verfälschen das Meßergebnis aufgrund von Hitzestau, am besten eignen sich hierfür IR Thermometer


Fütterung

Emys frisst Goldfisch

Keine der folgenden Futterkomponenten stellt ein Alleinfutter für Europäische Sumpfschildkröten dar. Nur eine abwechslungsreiche Fütterung ist eine artgerechte Fütterung und hält die Schildkröten dauerhaft gesund, da problematische Bestandteile oder Mangel an lebenswichtigen Komponenten in der einen Futterart durch eine andere kompensiert werden können. Besonders deutlich wird das im Falle von Thiaminase-haltigen Futtertieren. einem Enzym, das Vitamin B zerstört, siehe Infos zur Thiaminase. Am leichtesten vermeidet man solche Probleme, in dem man sich an ein wöchentliches Futterschema hält.

 

Futterschema für ältere Jungtiere und Adulti

Emys frisst Assel

Mit der Einführung eines "Speiseplanes" zwingt man sich zur Einhaltung einer abwechslungsreichen Fütterung. Komponenten jeweils im im wöchentlichen Wechsel geben, so erreicht man leicht, daß alles nur zweimal pro Monat gefüttert wird:

  1. Lebendfuttertag: Nackt- und Gehäuseschnecken, Regenwürmer, Asseln, Mehlwürmer etc.
  2. Grünfutter-/Fastentag: Wasserlinsen, Wasserhyazinthen, Wassersalat, Löwenzahn
  3. Fleischtag: ganze Mäuse, Herz und Leber von Rind, Hähnchen, Pute etc.
  4. Grünfutter-Fastentag: s.o.
  5. Trockenfuttertag: Bachflohkrebse (Gammarus), Raffy Royal, Tetra Reptomin, Trockenfische für Katzen
  6. Fischtag: Forelle, Guppies, Stint, Weißfisch, Muscheln
  7. Grünfutter-/ Fastentag: s.o.

Am leichtesten ist dieses Futterschema einzuhalten, wenn man sich die einzelnen Komponenten vorbereitet und portionsweise einfriert. Dazu eigen sich hervorragend tiefgezogene Plastikschalen, wie man sie in Gebäck- oder Pralinenschachteln bekommt.
Alle Komponenten in einem sog. Schildkrötenpudding zusammenzumischen, ist ebenfalls eine Lösung. Die Tiere haben dann aber nicht die emotionale Erfahrung von nach Geschmack und Konsistenz verschiedenen Futtersorten, eine Erfahrung, die man ihnen in der ohnehin schon reizarmen Gefangenenhaltung nicht auch noch vorenthalten sollte.

Fütterung in separater Wasserschale (bei Haltung im Aquarium)

Die Fütterung von öligem Futter wie Forelle oder anderem stark verschmutzenden Futter wie Lebendfutter oder Rinderleber verursacht manchmal Probleme im Aquarium. Man füttert solche Futtersorten deshalb am besten in einer separaten Schale und verwirft das verschmutzte Wasser nach der Fütterung. Mit dieser Methode kann auch gezielt überprüft werden, wie viel die einzelnen Tiere fressen und verhindert werden, dass stärkere Tiere die schwächeren vom Fressen abdrängen. Darüberhinaus können auch einmal größere Brocken serviert werden, die zerrissen werden müssen. Eine sinnvolle Abwechslung zu den sonstigen mundgerechten Happen, was im Aquarium aber schnell Probleme mit der Wasserqualität geben kann.

Diese Methode eignet sich für eingewöhnte und gut fressende, nicht zu scheue Tiere. Am leichtesten klappt es natürlich mit Jungtieren. Hier füllt man eine durchsichtige, hohe Plastikschale etwa zur Hälfte mit dem warmen Aquarienwasser und lässt diese im Becken selber schwimmen. Nach ein bis zwei Fastentagen setzt man die Schildkröten einzeln in das Futterbecken, in das man vorher eine Portion Lieblingsfutter, vorzugsweise Lebendfutter gegeben hat. Da die Tiere die durchsichtigen Ränder der Schale kaum sehen, sondern fast nur ihre vertraute Umgebung, dauert es meist nicht lange bis sich den verführerisch zappelnden Wurm vor ihrer Nase schnappen. Etwa 10 Minuten sollte man in den ersten Tagen aber einkalkulieren. Wenn es nicht gleich beim ersten  Mal klappt, hilft bestimmt ein weiterer Fastentag.

Gelegentlich wird argumentiert, diese Methode würde die Tiere zu stark stressen. Aber nach kurzer Eingewöhnungsphase von vielleicht zwei Wochen stürzen sich die Tiere in Sekundenschnelle nach dem Umsetzen auf das Futter, sicher kein Zeichen von starkem Stress. Allerdings sollte man sie nach der Eingewöhnung nicht mehr fangen, sondern sich auf die flache Hand schwimmen lassen und nur die füttern, die freiwillig kommen. Niemals auf dem Landteil greifen, das erzeugt Panik! Wenn sie gelernt haben, freiwillig zu kommen, dann kommen sie übrigens auch aus dem Gartenteich auf einem zu!

Wenn man dann nach der Fütterung die meist unglaublich dreckige und stark nach Fisch riechende Brühe aus dem Aquarium nehmen und in den Abfluss schütten kann, dann weiß man die Vorzüge dieser Methode zu schätzen...


Überwinterung (Winterstarre)

Korrekt heißt es bei Reptilien Winterstarre oder Hibernation, nicht Winterschlaf. Der jahreszeitliche Rythmus mit Hochtemperaturphasen im Sommer, gemäßigten Übergangszeiten und Kältestarre im Winter koordiniert den gesamten Stoffwechsel und Hormonzyklus der Europäischen Sumpfschildkröte. Er ist damit Voraussetzung für das Gelingen einer Zucht, aber auch für die Gesundheit und das Wohlbefinden des einzelnen Tieres notwendig. Dieser Rythmus muß deshalb auch in der Terrarienhaltung nachvollzogen werden. Für eine echte Winterstarre, die die Schildkröte nicht unnötig Kraft kostet, sollte unbedingt die am Teichboden natürlicherweise herrschende Temperatur von 4°C eingehalten werden, da Europäische Sumpfschildkröten selbst bei relativ tiefen Wassertemperaturen von unter 10 °C noch aktiv sind. Emys der Nominatform überwintern in dafür geeigneten Teichen völlig selbständig. Meist stellen sie schon im Laufe des Septembers die Nahrungsaufnahme ein und tauchen spätestens Anfang Oktober ab. Gegen Ende März/Anfang April sind sie dann meist wieder zu sehen.

Eine Überwinterung im Gartenteich ist allerdings riskant, wenn die genaue Emys-Unterart nicht bekannt ist. Die Verhältnisse hier können sich dann sehr deutlich von denen natürlicher Überwinterungsgewässer unterscheiden. Weitere Gefahren bei natürlicher Überwinterung sind Steilwände im Teich. Sie können bei einer, durch die Kälte klammen Sumpfschildkröte zum Ertrinken durch Erschöpfung führen, da die Tiere dann nicht mehr am Boden kriechend die Oberfläche zum Luftholen erreichen können. Darüber hinaus kommt es in kleinen Gartenteichen durch Faulschlamm schneller zu sauerstoffarmen Bedingungen, die der Schildkröte unter Eis keine extrapulmonale Sauerstoffaufnahme über den Darm erlauben.

Gartenteich für die Europäische Sumpfschildkröte im Winter Eisschicht auf dem Emys-Teich
Im Winter können Europäische Sumpfschildkröten wochenlang unter Eis und Schnee ausharren, ohne Luft holen zu müssen.


Ist entweder die Unterart nicht bekannt oder Gartenteich nicht wirklich für eine natürliche Überwinterung einer Europäischen Sumpfschildkröte geeignet, belässt man die Tiere im Teich bis sie von selbst in die Starre fallen und überführt sie im November ins Winterquartier. Hierfür wird am besten ein Container mit kaltem Teichwasser gefüllt. Man kann den Tieren als Versteck ein paar Eichen- oder Buchenblätter anbieten, auch Wurzelstöcke von winterharten Wasserpflanzen, wie z.B. Hechtkraut eignen sich gut. Sie verhalten sich dann von Anfang an wesentlich ruhiger. Der Zustand der Tiere ist gelegentlich zu überprüfen. Bei Problemen auswintern, - Die Temperatur im Winterquartier sollte bei 4-6°C liegen. Auf keinen Fall dürfen die Tierchen in ihren flachen Containern im Winterquartier Frost ausgesetzt werden, was in Gartenschuppen, Garagen und ähnlichem bei entsprechenden Außentemperaturen passieren kann. Abhilfe leisten kann ein - separater - Kühlschrank:

Überwinterung von Emys orbicularis im Kühlschrank
Manchmal findet man die nötigen tiefen Temperaturen für die Winterstarre nur im Kühlschrank

Bis Mitte März können die Tiere im Winterquartier verbleiben, Jungtiere kann man evtl. früher ins Terrarium überführen. Bei der Rückführung in den Teich kann es zu Problemen kommen, da die Tiere sich nach der langen Starre erst wieder orientieren müssen und u.U. wegen der Kälte Schwierigkeiten haben an die Oberfläche zu schwimmen, um atmen zu können. Bei ganzjährig im Teich verbliebenen Tieren traten diese Probleme bei mir noch nie auf.


Zucht

Hält man erwachsene Europäische Sumpfschildkröten artgerecht, ist die Zucht keine große Herausforderung, schließlich handelt es sich bei Emys orbicularis um eine in Mitteleuropa heimische Art. Bei einigen Züchtern gibt es daher auch regelmäßig Naturbruten, ohne jegliche Eingriffe durch den Menschen. Voraussetzung dafür ist eine südexponierte, ganzjährig sonnige Eiablagestelle in der Freilandanlage, an der die Emys-Weibchen an schwül-warmen Abenden im Mai und Juni ihre 5-20 Eier pro Gelege vergraben können. Meist laufen sie einige Tage vor der Ablage auf dem Landteil herum und klettern unruhig über "Stock und Stein. Sie prüfen dabei mögliche Ablagestellen mit Nase und Vorderbeinen bevor sie mit den Hinterbeinen ihre etwa 10cm tiefe Niisthöhle graben. Der Boden wird dabei mit in der Kloake mitgebrachtem Wasser befeuchtet. Die Eier werden mit den Hinterbeinen an der Kloake abgefangen und vorsichtig in die Höhle platziert. Nach Ende der Ablage wird die Höhle wieder zugeschaufelt und mit dem Bauchpanzer "festgestampft". Der ganze Vorgang dauert meist 2-3 Stunden und zieht sich teilweise bis zur völligen Dunkelheit hin. Je nach Witterung und Lokalform sind bis zu drei Gelege pro Saison möglich:

Röntgenbild einer trächtigen Europäischen Sumpfschildkröte

Röntgenbild eines trächtigen Emys-Weibchens

 

Naturbrut: Belässt man die Eier an Ort und Stelle, schlüpfen die kleinen Europäischen Sumpfschildkröten nach ausreichend warmen Sommern im September oder Oktober. Je nach Witterung verlassen sie die Nisthöhle noch im Herbst oder überwintern in ihr bis zum Frühling. In schneearmen, kalten Wintern kann es aber zu einem Totalverlust der Tiere kommen, obwohl die Schlüpflinge durchaus Minustemperaturen im unteren einstelligen Bereich vertragen, allerdings nur sehr kurzfristig. War schon der Sommer zu kalt, können sich die Tierchen nicht bis zur Schlupfreife entwickeln und sterben dann ebenfalls ab. Aber auch nach dem Schlupf und dem Verlassen der Nisthöhle sind die kleinen Sumpfschildkröten im Gartenteich stark durch Fressfeinde gefährdet, auch durch die eigenen Eltern.

Kunstbrut: Weitaus mehr Nachzuchterfolg ist zu erwarten, wenn man die Eier nach der Ablage vorsichtig ausgräbt, künstlich bebrütet und geschützt aufzieht. Direkt nach der Ablage ist noch keine besondere Handhabung der Eier beim Bergen notwendig. Belässt man sie einige Stunden am Eiablageplatz, sollte man jedoch sicherstellen, dass sie beim Überführen in den Inkubator nicht mehr gedreht werden, da es dadurch zum Absterben der sich bereits in Entwicklung befindlichen Keimscheibe kommen kann. Welche Art von Inkubator man verwendet, ist zweitrangig. Selbst sehr einfache Selbstbauten können erfolgreich sein, etwa eine Styroporkiste mit Heizmatte und Thermostat UT 200. Letztlich kommt es nur darauf an, dass die Eier eine ausreichend lange Zeit auf 27 °C bis 31°C erwärmt werden und nicht austrocknen.

Geschlechtsfixierung: Das Geschlecht des Sumpfschildkröten-Embryos wird wahrscheinlich durch zwei Komponenten festgelegt, durch eine schwache genetische Komponente und durch die Bruttemperatur. Unter natürlichen Bedingungen überwiegt wahrscheinlich die genetische Komponente (Uwe Fritz: "Die Europäische Sumpfschildkröte". 2003, Laurenti Verlag, Bielefeld). Sie kann aber von extremen Bruttemperaturen, zum Beispiel bei Kunstbruten, "überschrieben" werden. Bei konstanten Bruttemperaturen von 27°C - 28°Cwährend der sogenannten thermosensitiven Phase der embryonalen Entwicklung bilden sich überwiegend Männchen, bei Temperaturen von 29°C - 31°C hauptsächlich Weibchen. Bei Kunstbruten im Bereich der Pivotal- bzw. Scheiteltemperatur, also zwischen 28°C und 29°C, bestimmt wahrscheinlich ebenfalls die genetische Komponente das Geschlecht des Embryos. Die angestrebte Bruttemperatur kann konstant gehalten werden, viele Züchter haben aber insbesondere beim Bebrüten mit relativ hohen "Weibchentemperaturen" sehr gute Erfahrungen mit mehrstündigen Nachtabsenkungen auf Zimmertemperatur gemacht. Die kleinen Emys sind dadurch meister besonders vital.

Als Brutsubstrate kommen z.B. Erde, Sand, Vermiculit und Seramis in Frage. Ich verwende inzwischen nur noch die Erde vom Eiablageplatz. Nach der Bergung lasse ich die Eier zwei Tage offen im Inkubator liegen und warte auf das Entstehen weißer Flecke auf der Kalkschale als Zeichen einer erfolgreichen Befruchtung. Sie entstehen durch das Wachstum extraembryonaler Membranen, die die Eischale von innen abdichten. So wird Wasserverlust verhindert, die Kalkschale trocknet an dieser Stelle aus und erscheint dadurch weißer als der noch feuchte Rest.

Emys orbicularis bei der Eiablagegeöffnete Nisthöhle und Eier einer Emys orbicularis
Eiablage einer Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis sowie Nisthöhle nach Entfernen des charakteristischen "Schlammdeckels"

weiße Flecken an Eiern von Emys orbicularis als Zeichen der Befruchtungunbefruchtete Emys Eier

Befruchtet oder nicht befruchtet? Das ist hier die Frage...
15 Stunden nach der Ablage sind auf dem ersten Foto bereits deutlich die erhofften weißen Flecke zu erkennen. Beim Erst-Gelege eines jungen Weibchens im zweiten Bild zeigen sich dagegen auch nach 36 Stunden leider keine Anzeichen einer Befruchtung.


Die weißen Flecken breiten sich im Laufe der ersten beiden Wochen weiter aus, es entsteht eine charakteristische weiße Binde um das Ei. Diejenigen Eier, an denen sich auch nach 2 Tagen im Inkubator noch keine weißen Flecke zeigen, entferne ich und decke die übrigen Eier mit Brutsubstrat komplett zu. Manche Züchter brüten aber auch die ganze Zeit offen, was allerdings eine entsprechend hohe Luftfeuchtigkeit erfordert. Ein teilweises Eingraben der Eier ist dagegen nicht ratsam, da durch unterschiedliche Feuchtigkeitsverhältnisse Risse in der Schale entstehen können, durch die Keime eindringen können.

Je nach gewählter Bruttemperatur schlüpfen die kleinen Emys orbicularis nach 55 - 70 Tagen. Beim Schlupf sollte man sie - auch wenn es schwer fällt - komplett in Ruhe lassen und nicht ständig beobachten. Sie sind extrem scheu und verlassen das Ei sonst aus Angst vor dem Beobachter bevor der Dottersack komplett resorbiert ist, um sich in Sicherheit zu bringen. Dadurch kann es zu Verletzungen des Dottersackes und damit zu Infektionen kommen. Erst wenn die kleinen Sumpfschildkröten - ungestört - selbst anfangen herumzulaufen, überführt man sie in die Aufzuchtbehälter.

Eine Europäische Sumpfschildkröte schlüpft aus dem EiKleine Europäische Sumpfschildkröte

Kleine Europäische Sumpfschildkröten haben beim Schlupf eine Panzerlänge von ca. 3 cm und wiegen etwa 5 g.

 



Eine Anleitung zur Aufzucht der kleinen Europäischen Sumpfschildkröten findet sich hier.


Krankheiten und Unfälle

Trotz bester Bedingungen können Europäische Sumpfschildkröten einmal krank werden. Gelegentlich sind sie auch beim Kauf bereits vorgeschädigt, ohne daß man das bemerkt hat. Krankheiten zeigen sich meist durch ungewöhnliches Verhalten beim Sonnen (Sitzenbleiben, wenn andere Schildkröten runterspringen, schiefes Schwimmen oder die Unfähigkeit zu tauchen, Apathie und Appetitlosigkeit). Die Sumpfschildkröte gehört dann zu Tierärzten, die Erfahrung bei der Behandlung von Reptilien haben. Merkt man nämlich Krankheitssymptome, ist es meist schon 5 vor 12! Leider gibt es nur wenige Spezialisten auf diesem Gebiet in Deutschland. Es kursieren einige Tierarztlisten im Internet (siehe auch Linkliste). Diese sind aber keine Garantie, denn sie stellen nur die von niemandem überprüften Empfehlungen anderer Halter dar. Wer sicher gehen will, muß sich an Tierärzte halten, die eine staatlich überprüfte Zusatzausbildung absolviert haben (entweder Tierärzte mit Zusatzbezeichnung Reptilien oder Fachtierärzte für Reptilien)

Nekrose bei Europäischer Sumpfschildkröte Verheilte Nekrose bei Sumpfschildkröte
Nekrose am Bauchpanzer einer Emys orbicularis, rechts im verheilten Zustand


Landausflüge sind machmal gefährlich, hier war wahrscheinlich ein Marder am Werk.
Dank einer guten Fachtierärztin für Reptilien hat das Tier aber zum Glück überlebt.


Der Besuch bei einem "normalen" Tierarzt ist dagegen meist weniger sinnvoll und gipfelt häufig in einer "Vitamin-Aufbauspritze", die der Europäischen Sumpfschildkröte genausowenig hilft, wie sie einem schwerkranken Menschen helfen würde. Darüberhinaus sind fast alle Tiermedikamente für Säugetiere ausgelegt, Reptilien vertragen aber nicht alle. Der Tierarzt muß also genau wissen, was er einsetzen kann. Vor dem Kauf einer Sumpfschildkröte sollte man sich daher klar werden, daß evtl. stundenlange Anfahrtswege notwendig werden können und auch die Behandlungskosten teilweise saftig ausfallen. Der Anschaffungspreis der Schildkröte stellt einen kleinen Bruchteil der Folgekosten und -mühen dar!


Artenschutz und Meldepflicht

Die Europäische Sumpfschildkröte, Emys orbicularis, ist nicht im Washingtoner Artenschutz Abkommen aufgeführt, gehört aber nach dem Anhang IVa der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der Europäischen Gemeinschaft von 1992 zu den "streng zu schützenden Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse". Für wild lebende Sumpfschildkröten gilt daher ein absolutes Tötungs-, Fang-, Handels- und Haltungsverbot (das sog. Besitz- und Vermarktungsverbot), das alle Lebensstadien, also auch Eier, einschließt. Darüberhinaus dürfen weder Ruhe- noch Eiablageplätze zerstört werden. Europäische Sumpfschildkröten, die vor Inkrafttreten dieser Richtlinie gefangen wurden sowie deren Nachzucht, sind davon ausgenommen. Für diese Sumpfschildkröten besteht aber nach dem Bundesartenschutzgesetz eine Anzeigepflicht, d.h. Erwerb und Abgabe müssen unverzüglich unter Vorlage eines Herkunftsnachweises (genaue Angaben über Zahl, Art, Alter, Geschlecht, Herkunft, Standort und Kennzeichen der Tiere) den zuständigen Behörden gemeldet werden .

Fundtiere: Die Europäische Sumpfschildkröte ist ein Wildtier, das durch die Funa Flora Habitat Richtlinie der Europäischen Union (FFH-Richtlinie) streng geschützt wird. Daraus ergibt sich eine Besonderheit beim Aufinden einer freilaufenden Emys orbicularis. Sie darf - anders als alle anderen Schildkrötenarten - NICHT eingefangen werden, auch dann nicht, wenn man vermutet, dass es sich um ein entlaufenes Haustier handelt. Ggfs. darf sie aus einer drohenden Gefahr befreit werden (z.B. im Straßenverkehr), muss dann aber wieder freigesetzt werden) Näheres dazu kann man hier nachlesen.


Sonstiges


Artenschutzprojekte (externe Links):

Für jeden Halter Europäischer Sumpfschildkröten sollte es eigentlich Ehrensache sein, durch eine Spende für eines der Artenschutzprojekte auch etwas für den Erhalt der in Deutschland, Österreich und der Schweiz vom Aussterben bedrohten Tierart in der freien Natur zu tun:

Brandenburg
Hessen
Niedersachsen
Rheinland-Pfalz

Österreich

Schweiz


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