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Emys·HomeEuropäische Sumpfschildkröte

Aufzucht der Europäischen Sumpfschildkröte: die ersten Jahre

Kleine Europäische Sumpfschildkröten schlüpfen mit einem Panzer von weniger als drei Zentimetern und etwa fünf Gramm Gewicht. In diesem Format passen sie ins Beuteschema von Reihern, Krähen, Katzen, Ratten und großen Goldfischen. Die ersten Jahre brauchen deshalb besondere Sorgfalt.

Schlüpflinge der Europäischen Sumpfschildkröte
Schlüpflinge der Europäischen SumpfschildkröteFoto: Turtolt, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Drinnen, draußen oder beides?

Für die Aufzucht haben sich drei Wege etabliert, die oft kombiniert werden:

  • Aquaterrarium im Haus – vor allem in den ersten Wochen oder im ersten Jahr. Vorteil: volle Kontrolle über Temperatur und Futter. Nachteil: Die Tiere brauchen künstliches UV-Licht und Wärme. Details unter Aquaterrarium für Jungtiere.
  • Frühbeet oder Aufzuchtbecken im Freien – sobald es warm genug ist. Echte Sonne, natürliche Temperaturschwankungen, aber gesichert gegen Fressfeinde. Siehe Frühbeet als Aufzuchtanlage.
  • Kleiner, abgedeckter Hochteich – für Jungtiere ab etwa dem zweiten Jahr, bevor sie in die große Anlage wechseln. Siehe Hochteich.

Viele erfahrene Halter bringen Jungtiere so früh wie möglich ins Freie. Natürliches Sonnenlicht ist durch keine Lampe vollständig zu ersetzen, und Tiere, die mit dem Wetter aufwachsen, entwickeln einen gesunden Jahresrhythmus.

Junge Sumpfschildkröte: In dieser Größe hat sie noch viele Fressfeinde.
Junge Sumpfschildkröte: In dieser Größe hat sie noch viele Fressfeinde.Foto: Viva.Chelonia, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Wasser und Wassertiefe

Schlüpflinge sind schlechte Schwimmer. Das Wasser sollte anfangs flach sein, sodass sie mit gestrecktem Hals die Oberfläche erreichen können, während sie am Boden stehen. Dichte Wasserpflanzen oder Äste bieten Halt und Deckung. Mit zunehmender Größe kann die Wassertiefe steigen. Sauberkeit ist wichtig: Kleine Wassermengen verschmutzen schnell, daher regelmäßig Teilwasserwechsel und Futterreste absaugen.

Füttern

Jungtiere sind reine Energiefresser und brauchen häufiges, kleines Futter: Mückenlarven, kleine Wasserschnecken, Bachflohkrebse, Wasserasseln, zerkleinerte Regenwürmer. Im ersten Lebensjahr wird meist zweimal täglich gefüttert, jeweils nur so viel, wie die Tiere sofort fressen. Treiben Sie das Wachstum aber nicht künstlich an: Zu schnelles Wachstum durch Überfütterung und Dauerwärme kann zu Panzerverformungen führen. Mehr unter Ernährung und Fütterung.

Wachstum beobachten

Wiegen und fotografieren Sie Jungtiere regelmäßig, etwa monatlich in der Saison. Eine einfache Tabelle mit Datum, Gewicht und Panzerlänge zeigt, ob sich ein Tier normal entwickelt. Ein Tier, das über Wochen nicht zunimmt oder plötzlich abnimmt, sollte genauer angesehen werden. Die Fotos dienen gleichzeitig der Dokumentation für die Behörde.

Grobe Orientierung (je nach Herkunft und Haltung sehr unterschiedlich)
AlterTypischer Zustand
beim Schlupf2–3 cm Panzerlänge, etwa 4–6 g
nach der ersten SaisonGewicht meist deutlich verdoppelt
2–3 Jahrezunehmend robust, aber für Reiher und Katzen noch erreichbar
ab etwa 3 JahrenUmzug in die große, eingezäunte Teichanlage möglich

Der erste Winter

Ob Schlüpflinge schon im ersten Winter eine Winterstarre halten sollen, wird unter Haltern unterschiedlich gesehen. In der Natur überwintern sie – am Nordrand teils noch im Nest. Wichtig ist, dass nur gesunde, gut genährte Tiere überwintert werden und die Bedingungen kontrollierbar sind. Viele Halter überwintern Jungtiere in den ersten Jahren nicht im Teich, sondern kontrolliert im Kühlschrank oder einem kühlen Keller in einem Behälter mit Wasser. Mehr dazu unter Überwinterung.

Wann in den großen Teich?

Wenn die Tiere groß genug sind, dass Reiher, Krähen und Katzen sie nicht mehr ohne Weiteres erbeuten können, dürfen sie in die große Anlage – nach Erfahrung vieler Halter etwa ab dem dritten Lebensjahr. Bis dahin lohnt sich jede Mühe mit der Absicherung.

Mehrere Jungtiere zusammen?

Jungtiere können in der Regel gemeinsam aufgezogen werden, solange genug Platz, Futter und Sonnenplätze vorhanden sind. Beobachten Sie trotzdem genau: Manchmal setzen sich einzelne Tiere an der Futterstelle durch, während andere zurückbleiben. Deutliche Größenunterschiede nach einigen Monaten sind ein Hinweis. Dann hilft es, die Tiere nach Größe zu trennen oder einzeln zu füttern.

Typische Fehler in der Aufzucht

  1. Zu tiefes Wasser ohne Halt – Schlüpflinge ermüden und können ertrinken.
  2. Dauerwärme ohne Tagesrhythmus – fördert überhastetes Wachstum.
  3. Fehlendes UV-Licht in der Innenhaltung – führt zu Panzerschäden (UV-Licht und Wärme).
  4. Einseitiges Futter, etwa nur getrocknete Bachflohkrebse.
  5. Zu frühe Vergesellschaftung mit erwachsenen Tieren oder großen Fischen.
  6. Ungesicherte Freilandanlagen – ein einziger Reiherbesuch kann eine ganze Nachzucht kosten.

Dokumentation von Anfang an

Jedes Jungtier braucht einen Herkunftsnachweis und muss der Behörde gemeldet werden. Wer seine Aufzuchttabelle von Anfang an mit Fotos führt, hat bei Abgabe oder Kontrolle alles beisammen. Mehr dazu unter Recht und Herkunft.

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