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Emys·HomeEuropäische Sumpfschildkröte

Schutzprojekte für die Europäische Sumpfschildkröte

Seit Jahrzehnten bemühen sich Naturschützer, die letzten Bestände zu sichern und verschwundene Vorkommen neu zu begründen. Die Projekte sind aufwendig und brauchen Geduld – eine Sumpfschildkröte wird erst nach vielen Jahren geschlechtsreif.

Am Reinheimer Teich in Hessen werden seit 2004 Nachzuchten ausgewildert
Am Reinheimer Teich in Hessen werden seit 2004 Nachzuchten ausgewildertFoto: Schirin, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Grundidee

Schutzprojekte für die Europäische Sumpfschildkröte verfolgen meist zwei Ziele: die verbliebenen Wildbestände stabilisieren und – wo die Art verschwunden ist – mit geeigneten Tieren neue Populationen aufbauen. Beides funktioniert nur, wenn gleichzeitig der Lebensraum stimmt. Ein Aussetzen ohne passende Gewässer und Eiablageplätze wäre wirkungslos.

Typische Bausteine

  • Lebensraum: Gewässer werden wiedervernässt, entschlammt oder neu angelegt, Ufer entbuscht, sonnige Eiablageflächen freigestellt.
  • Nestschutz: Bekannte Eiablageplätze werden überwacht, Nester mit Gittern gegen Wildschwein, Dachs und Fuchs gesichert.
  • Head-Starting: Schlüpflinge werden in geschützten Anlagen einige Jahre aufgezogen und erst ausgewildert, wenn sie für viele Fressfeinde zu groß sind.
  • Genetik: Für Nachzucht und Auswilderung werden nur Tiere verwendet, deren Herkunft genetisch geprüft ist (Gen-Analyse).
  • Monitoring: Markierte Tiere werden über Jahre wiedergefunden; so lassen sich Überleben und Fortpflanzung bewerten.

Projekte im deutschsprachigen Raum

RegionArt des Projekts
BrandenburgSchutz der letzten autochthonen Bestände, u. a. über die Naturschutzstation Rhinluch in Linum; Nestschutz und Aufzucht
HessenWiederansiedlung, u. a. am Reinheimer Teich mit Nachzuchten aus dem Frankfurter Zoo (seit 2004)
Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, NiedersachsenWiederansiedlungsprojekte
ÖsterreichSchutz der letzten natürlich fortpflanzenden Population im Nationalpark Donau-Auen
Schweizgezielte Wiederansiedlung seit 2010, begleitet von Fachstellen
Elsass (Frankreich)Wiederansiedlung in der Oberrheinebene

Die Projektlandschaft verändert sich laufend – Projekte enden, neue kommen hinzu. Aktuelle Informationen geben die jeweiligen Landesämter, Naturschutzverbände und Fachgesellschaften wie die DGHT.

Nationalpark Donau-Auen: Hier sichern Schutzmaßnahmen das letzte natürliche Vorkommen Österreichs.
Nationalpark Donau-Auen: Hier sichern Schutzmaßnahmen das letzte natürliche Vorkommen Österreichs.Foto: Doronenko, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Rolle privater Halter

In der Anfangszeit mancher Projekte stammten Zuchttiere auch aus privater Haltung. Inzwischen achten Projekte streng auf nachgewiesene Herkunft. Tiere, deren Abstammung unklar ist, werden in der Regel nicht angenommen. Private Züchter leisten trotzdem einen Beitrag: Legale, dokumentierte Nachzuchten verringern den Druck auf Wildbestände, und Wissen aus der Haltung – etwa zur Aufzucht – fließt in die Praxis der Projekte ein.

Einige Züchtergemeinschaften haben in der Vergangenheit Einnahmen aus dem Verkauf von Nachzuchten an Schutzprojekte gespendet. Wer so etwas unterstützen möchte, sollte sich direkt an das jeweilige Projekt wenden.

So können Sie helfen

  1. Beobachtungen wildlebender Tiere mit Foto an die Untere Naturschutzbehörde oder eine regionale Arbeitsgemeinschaft melden.
  2. Projekte durch Spenden oder Mitarbeit unterstützen, etwa beim Nestschutz im Juni.
  3. Im eigenen Garten auf Wildtiere Rücksicht nehmen: naturnahe Gewässer, keine Aussetzungen, keine Schmuckschildkröten in Freigewässer.
  4. Beim Kauf ausschließlich auf legale, dokumentierte Nachzuchten achten – siehe Recht und Herkunft.

Wie Head-Starting funktioniert

Beim Head-Starting werden Eier aus gefährdeten Nestern entnommen oder Schlüpflinge direkt nach dem Schlupf eingesammelt. Die Jungtiere wachsen dann in geschützten Anlagen auf – oft in Zoos, Naturschutzstationen oder bei spezialisierten Partnern. Nach einigen Jahren, wenn sie für Reiher, Krähen und Raubfische zu groß geworden sind, werden sie in ihrem Herkunftsgebiet ausgewildert.

Die Methode ist aufwendig und nicht unumstritten: Die Tiere müssen lernen, in der Natur zurechtzukommen, und dürfen keine Krankheiten aus der Haltung einschleppen. Deshalb werden sie vor der Auswilderung untersucht, und die Anlagen sind möglichst naturnah gestaltet. Richtig umgesetzt, kann Head-Starting die Zahl der Jungtiere, die das Erwachsenenalter erreichen, deutlich erhöhen.

Lange Zeiträume

Ein Schutzprojekt für Sumpfschildkröten lässt sich nicht nach wenigen Jahren bewerten. Bis ausgewilderte Weibchen selbst Eier legen, vergehen meist acht bis zehn Jahre oder mehr. Erst wenn in der Natur geborene Tiere erfolgreich groß werden, gilt eine Population als wirklich gesichert. Viele Projekte laufen deshalb über Jahrzehnte und sind auf verlässliche Finanzierung und ehrenamtliche Helfer angewiesen.

Mitmachen

Viele Projekte suchen Unterstützung beim Nestschutz, bei der Betreuung von Eiablageflächen oder beim Monitoring. Informationen dazu geben Naturschutzverbände, Landesämter und herpetologische Arbeitsgemeinschaften. Wer im Juni einige Abende an einem Legeplatz verbringen kann, leistet einen echten Beitrag.

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