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Emys·HomeEuropäische Sumpfschildkröte

Lebensraum und Verbreitung der Europäischen Sumpfschildkröte

Stille, warme, pflanzenreiche Gewässer mit Totholz und sandigen Ufern: Das ist das Idealbild. Wo solche Landschaften verschwunden sind, ist auch die Sumpfschildkröte verschwunden – in Mitteleuropa fast überall.

Auenlandschaft im Nationalpark Donau-Auen bei Eckartsau – hier lebt Österreichs letzte natürlich fortpflanzende Population
Auenlandschaft im Nationalpark Donau-Auen bei Eckartsau – hier lebt Österreichs letzte natürlich fortpflanzende PopulationFoto: Doronenko, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein riesiges Verbreitungsgebiet

Kaum eine andere Schildkröte ist so weit verbreitet. Das Areal der Europäischen Sumpfschildkröte reicht von Marokko und Tunesien im Südwesten über die Iberische Halbinsel, Südfrankreich, Korsika, Sardinien, Sizilien und Italien bis nach Polen, Ungarn, Rumänien und auf den Balkan. Im Osten schließen Anatolien, der Kaukasusraum, der Norden Irans und das Gebiet bis zum Aralsee an. In Russland verläuft die Grenze etwa auf der Höhe von Moskau, das nördlichste Vorkommen liegt in Litauen.

In der Nacheiszeit war die Art noch weiter nach Norden verbreitet, bis nach Südschweden und Großbritannien. Mit dem kühleren Klima und später durch die Umgestaltung der Landschaft zog sie sich zurück.

Welche Gewässer sie braucht

Die Art lebt in stehenden oder langsam fließenden Gewässern: im Uferbereich von Seen, in Teichen, Altarmen, Gräben und Söllen. Im Süden besiedelt sie auch Bäche, an der Mittelmeerküste sogar brackige Flussmündungen. Bevorzugt werden Gewässer mit

  • dichter Vegetation und schlammigem Grund,
  • flachen Zonen, die sich in der Sonne schnell erwärmen,
  • Totholz, umgestürzten Bäumen, Wurzeln oder Grasbülten zum Sonnen,
  • warmen, offenen, sandigen Stellen in der Nähe für die Eiablage.

Der letzte Punkt ist oft der Engpass. Die Weibchen legen ihre Eier an Land, meist in weniger als 500 Metern Entfernung vom Wohngewässer, an südexponierten Hängen, Böschungen oder Waldrändern. Wächst das Umland zu oder wird es intensiv bewirtschaftet, fehlen diese Plätze – auch wenn das Gewässer selbst noch geeignet wäre.

Wasserschildkröten beim Sonnenbad auf Totholz am See von Bolestraszyce in Südostpolen
Wasserschildkröten beim Sonnenbad auf Totholz am See von Bolestraszyce in SüdostpolenFoto: Silar, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Deutschland

In Deutschland gilt die Europäische Sumpfschildkröte als vom Aussterben bedroht. Die wenigen verbliebenen natürlichen Vorkommen liegen überwiegend im Osten, vor allem in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Dort findet man die Tiere teils in Bruchwäldern und klaren Waldgewässern, teils in kleinen Söllen und Teichen mitten in Agrarflächen.

In anderen Bundesländern stammen beobachtete Tiere häufig aus Aussetzungen, deren Herkunft unklar ist. Daneben gibt es Wiederansiedlungsprojekte, etwa in Hessen: Am Reinheimer Teich werden seit 2004 Nachzuchten aus dem Frankfurter Zoo ausgewildert. Weitere Projekte laufen oder liefen in Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Einen Überblick bietet der Beitrag Schutzprojekte.

Naturschutzgebiet Reinheimer Teich in Südhessen, Schauplatz eines Wiederansiedlungsprojekts
Naturschutzgebiet Reinheimer Teich in Südhessen, Schauplatz eines WiederansiedlungsprojektsFoto: Schirin, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Österreich und Schweiz

In Österreich lebt die letzte natürlich fortpflanzende Population in den Donau-Auen östlich von Wien. Einzelne Tiere am Stadtrand von Wien gehen auf Aussetzungen zurück.

In der Schweiz galt die Art lange als ausgestorben. Beobachtungen betrafen meist ausgesetzte Tiere unterschiedlicher Herkunft. Seit in mehreren Kantonen wieder Fortpflanzung nachgewiesen wurde, wird sie als vom Aussterben bedroht geführt; im Kanton Genf lebt eine vergleichsweise große Population von einigen hundert Tieren.

Was Halter daraus lernen

Die natürlichen Lebensräume sind die beste Vorlage für einen Gartenteich: flache, besonnte Zonen, viele Pflanzen, schlammiger Grund, Sonnenplätze aus Holz und ein sandiger Hang ganz in der Nähe. Wie sich das im Garten umsetzen lässt, zeigt der Beitrag zur Teichanlage.

Warum das Umland so wichtig ist

Sumpfschildkröten nutzen mehr als ein einzelnes Gewässer. Viele Populationen leben in einem Verbund aus mehreren Teichen, Gräben und Senken, zwischen denen die Tiere im Lauf des Jahres wechseln. Trocknet ein Gewässer im Sommer aus, weichen sie auf ein anderes aus. Für die Eiablage werden zusätzlich trockene, offene Flächen gebraucht. Ein Schutzgebiet, das nur die Wasserfläche umfasst, greift daher zu kurz.

Deshalb setzen erfolgreiche Projekte auf Landschaften, in denen Gewässer, Feuchtwiesen, Waldränder und sandige Böschungen nebeneinander liegen. Extensive Beweidung oder gelegentliches Mähen hält Eiablageplätze offen, die sonst zuwachsen würden.

Kleingewässer in der Agrarlandschaft

Ein Teil der ostdeutschen Vorkommen liegt in Söllen – kleinen, meist eiszeitlich entstandenen Hohlformen mitten in Äckern. Sie sind wertvoll, weil sie sich schnell erwärmen und oft reich an Nahrung sind. Gleichzeitig sind sie gefährdet: durch Düngereintrag, Austrocknung, Verfüllung und durch Wege, die die Tiere auf der Wanderung zur Eiablage kreuzen müssen. Pufferstreifen ohne Dünger rund um solche Gewässer gehören zu den einfachsten Hilfen.

Was jeder Gartenbesitzer beitragen kann

Auch ohne Schildkröten hilft ein naturnaher Gartenteich vielen Tieren, die in denselben Lebensräumen vorkommen: Libellen, Molche, Frösche und Wasserinsekten. Flache, besonnte Uferzonen, heimische Wasserpflanzen und der Verzicht auf Fische in kleinen Teichen machen den größten Unterschied. Anregungen gibt der Beitrag Wasserpflanzen für den Teich.

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