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Emys·HomeEuropäische Sumpfschildkröte

Fressfeind Ratte: die unterschätzte Gefahr für Sumpfschildkröten

Reiher und Waschbär fallen auf. Ratten dagegen arbeiten nachts und leise – und sind in Gartenanlagen oft die eigentliche Ursache, wenn Jungtiere spurlos verschwinden.

Wanderratte am Ufer – guter Schwimmer und nachtaktiver Allesfresser
Wanderratte am Ufer – guter Schwimmer und nachtaktiver AllesfresserFoto: Charles J. Sharp, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Warum gerade Ratten?

Die Wanderratte ist ein Allesfresser, ein ausgezeichneter Schwimmer und Taucher und lebt gern dort, wo Menschen sind: an Komposthaufen, Hühnerställen, Vogelfutterplätzen und Gartenteichen. Sie ist vor allem nachts aktiv – also genau dann, wenn Halter nicht hinsehen. Für kleine Sumpfschildkröten, die mit einem Panzer von kaum drei Zentimetern schlüpfen, ist sie ein ernst zu nehmender Fressfeind.

Auch größere Tiere sind nicht völlig sicher. Berichte von Haltern beschreiben angefressene Gliedmaßen und Schwänze bei Schildkröten, die sich nicht rechtzeitig zurückziehen konnten. Besonders heikel ist die Zeit der Winterstarre: Dann liegen die Tiere reglos im Flachwasser oder im Schlamm und können sich nicht wehren.

Anzeichen für Rattenbefall

  • Laufspuren und kleine, glatt getretene Pfade am Ufer oder entlang von Zäunen
  • Grablöcher mit etwa 6–8 cm Durchmesser, oft unter Platten, Wurzeln oder am Komposthaufen
  • Kotspuren, angefressene Futterreste, verschwundenes Futter
  • Jungtiere, die ohne erkennbare Spur fehlen
  • Verletzungen an Schwanz, Beinen oder Panzerrand

Eine Wildkamera schafft oft schnell Klarheit. Sie zeigt auch, ob vielleicht Waschbär, Marder oder Katze die Ursache sind.

Junge Europäische Sumpfschildkröte: In den ersten Jahren gehört sie zum Beuteschema vieler Tiere, auch der Ratte.
Junge Europäische Sumpfschildkröte: In den ersten Jahren gehört sie zum Beuteschema vieler Tiere, auch der Ratte.Foto: Viva.Chelonia, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Vorbeugen ist wirksamer als Bekämpfen

Der beste Schutz besteht darin, Ratten gar nicht erst anzulocken und die Tiere baulich abzusichern.

  1. Keine Futterquellen: Futterreste nach der Fütterung entfernen, Futter in dicht schließenden Behältern lagern, keine Essensreste auf den Kompost, Vogelfutterplätze nicht direkt neben der Anlage.
  2. Jungtiere getrennt sichern: Schlüpflinge und Jungtiere der ersten Jahre gehören in ein rundum geschlossenes Frühbeet oder einen gesicherten Hochteich – mit Boden oder tief eingegrabenem Rahmen und engmaschigem Gitter.
  3. Untergrabschutz: Zäune und Rahmen einige Dezimeter tief einlassen oder mit einem waagerecht eingegrabenen Drahtgeflecht sichern.
  4. Verstecke entfernen: Holz- und Steinhaufen, dichte Bodendecker und Gerümpel direkt am Zaun bieten Ratten Deckung.
  5. Sichere Überwinterung: Tiere, die im Teich überwintern, brauchen ausreichend tiefes Wasser; flache Stellen, in denen sie im Schlamm feststecken, sind riskant. Details unter Überwinterung.

Wenn es schon passiert ist

Verletzte Schildkröten sollten zeitnah einem reptilienkundigen Tierarzt vorgestellt werden. Bisswunden können sich im Wasser leicht entzünden; oft wird das Tier für die Heilung vorübergehend trocken oder in sehr sauberem Wasser gehalten. Danach gilt es, die Ursache zu beseitigen, bevor das Tier zurück in die Anlage kommt. Warum das Thema in der Natur ebenso wichtig ist, lesen Sie im Überblick Gefahren für Sumpfschildkröten.

Ratten in der Natur

Auch in freier Wildbahn können Ratten eine Rolle spielen, vor allem in der Nähe von Siedlungen, Fischteichanlagen und landwirtschaftlichen Betrieben. Für Schlüpflinge auf dem Weg vom Nest zum Wasser ist jeder nachtaktive Kleinsäuger eine Gefahr. Schutzprojekte sichern Nester deshalb mit Drahtkörben und bringen frisch geschlüpfte Tiere teils in geschützte Aufzuchtanlagen, bis sie groß genug sind.

Andere nächtliche Besucher

Nicht jeder Schaden geht auf Ratten zurück. Ähnliche Spuren hinterlassen:

  • Marder: kommen über Zäune und Dächer, töten häufig mehr, als sie fressen.
  • Füchse: graben Nester aus, holen Jungtiere am Ufer.
  • Igel: fressen gelegentlich Eier aus flachen Nestern.
  • Waschbären: öffnen selbst große Tiere – siehe Drama am Gartenteich.

Eine Wildkamera spart hier viel Rätselraten. Sie lohnt sich besonders in der Legezeit im Juni und in den Wochen nach dem Schlupf.

Ein Jahresplan gegen Nager

  1. Frühjahr: Zäune und Untergrabschutz auf Lücken prüfen, Winterschäden ausbessern.
  2. Sommer: Nester sofort nach der Eiablage mit einem Gitterkorb sichern.
  3. Spätsommer: Schlüpflinge täglich kontrollieren und in die gesicherte Aufzucht bringen.
  4. Herbst: Futterreste und Fallobst im Umfeld entfernen, Komposthaufen abdecken.
  5. Winter: Tiere im Teich nicht stören, bei kontrollierter Überwinterung den Raum nagersicher halten.
Quellen und weiterführende Informationen

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