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Emys·HomeEuropäische Sumpfschildkröte

Emys trinacris: die Sizilianische Sumpfschildkröte

Lange galten die Sumpfschildkröten Siziliens als gewöhnliche Emys orbicularis. Erst genetische Untersuchungen zeigten: Auf der Insel lebt eine eigene Art, die man äußerlich kaum unterscheiden kann.

Sizilianische Sumpfschildkröte in einem Feuchtgebiet bei Gela auf Sizilien
Sizilianische Sumpfschildkröte in einem Feuchtgebiet bei Gela auf SizilienFoto: Taxiarchis Danelis, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Kurzporträt

Wissenschaftlicher Name
Emys trinacris Fritz et al., 2005
Deutscher Name
Sizilianische Sumpfschildkröte
Maximale Panzerlänge
etwa 14,5 cm
Verbreitung
Sizilien, möglicherweise auch Kalabrien
Höhenverbreitung
vom Tiefland bis etwa 1.400 m
Typuslokalität
Lago Gian Fenaro in den Nebrodi-Bergen, Nordsizilien

Eine „kryptische“ Art

Als kryptisch bezeichnen Biologen Arten, die man mit bloßem Auge kaum von ihren Verwandten unterscheiden kann. Emys trinacris ist ein Lehrbuchbeispiel. Bei der großen genetischen Untersuchung der Gattung Emys stieß das Team um Uwe Fritz auf eine Entwicklungslinie, die sich deutlich von allen übrigen abhob – die sogenannte Linie III. Sie kam nur auf Sizilien vor. 2005 wurde sie in der Fachzeitschrift Zoologica Scripta als neue Art beschrieben.

Der Name bezieht sich auf „Trinakria“, den antiken Namen Siziliens, der auf die dreieckige Form der Insel anspielt.

Die Gattung Emys und ihre nächsten Verwandten Emydidae Neuwelt-Sumpfschildkröten Emys Emys orbicularisEuropa, Westasien, Nordafrika Emys trinacrisSizilien (2005 beschrieben) Actinemys marmorataPazifische Sumpfschildkröte, Nordamerika Emydoidea blandingiiAmerikanische Sumpfschildkröte, Nordamerika Vereinfachtes Schema – Stammbäume werden mit neuen Daten laufend überarbeitet.
Seit 2005 umfasst die Gattung Emys zwei Arten. Die nächsten Verwandten leben in Nordamerika.

Woran man sie erkennt

Äußerlich ähnelt die Sizilianische Sumpfschildkröte stark den Tieren der Unterart Emys orbicularis galloitalica vom italienischen Festland. Sie bleibt mit höchstens etwa 14,5 Zentimetern Panzerlänge vergleichsweise klein. Die Grundfarbe des Rückenpanzers ist dunkelgrau bis oliv, darauf verlaufen feine gelbe Strahlen. Der Bauchpanzer ist überwiegend oder vollständig gelb. Im Vergleich zu Emys orbicularis wirkt der Panzer weniger gestreckt, eher oval und nach hinten ausladend.

Sicher bestimmen lässt sich die Art jedoch nur über ihre Erbsubstanz, genauer über die mitochondriale DNA. Für Halter bedeutet das: Ein Tier „aus Sizilien“ ist nicht automatisch E. trinacris, und umgekehrt.

Lebensraum

Die Art besiedelt Teiche, Seen, Flüsse und Sümpfe – vom Küstentiefland bis in die Berge. Über ihre Lebensweise im Detail ist noch vergleichsweise wenig veröffentlicht; man geht davon aus, dass sie der von Emys orbicularis weitgehend entspricht: Sonnenplätze am Ufer, Eiablage an warmen, offenen Stellen, Ruhephasen in der kalten und teils auch in der heißesten Zeit des Jahres.

Gefährdung

Sizilien ist dicht besiedelt und intensiv landwirtschaftlich genutzt. Straßen, Bebauung und entwässerte Feuchtgebiete trennen die Vorkommen voneinander, sodass kaum noch Austausch zwischen den Gruppen stattfindet. Neuere Arbeiten zeigen eine kleinräumige genetische Struktur innerhalb der Insel, und Klimamodelle lassen erwarten, dass geeignete Lebensräume durch Hitze und Trockenheit weiter schrumpfen.

Haltung

Die Sizilianische Sumpfschildkröte ist in Mitteleuropa nur selten in Haltung. Für sie gelten die gleichen artenschutzrechtlichen Grundsätze wie für die Europäische Sumpfschildkröte: legale Herkunft, Nachweis und Meldung bei der Behörde. Einen Überblick gibt der Beitrag Recht und Herkunft. Wegen ihres südlichen Ursprungs ist eine ganzjährige Freilandhaltung nördlich der Alpen nicht ohne Weiteres übertragbar.

Warum Sizilien ein Sonderfall ist

Sizilien war während der Eiszeiten ein wichtiges Rückzugsgebiet für wärmeliebende Tiere. Die Insel lag nahe am Festland, war aber durch die Straße von Messina so weit isoliert, dass sich Populationen über lange Zeit eigenständig entwickeln konnten. Die Autoren der Erstbeschreibung bezeichneten Süditalien deshalb als „heißesten Punkt“ im Verbreitungsgebiet der Gattung: Auf engem Raum treffen hier mehrere genetisch deutlich verschiedene Linien aufeinander.

Ähnliche Muster kennt man von anderen Tiergruppen. Auch bei Amphibien und Eidechsen hat die genetische Forschung auf Sizilien und in Kalabrien eigenständige Linien gefunden, die man zuvor für Teil einer weit verbreiteten Art gehalten hatte.

Kryptische Arten und der Artbegriff

Ob man eine genetisch klar getrennte, aber äußerlich kaum unterscheidbare Linie als eigene Art oder als Unterart führt, ist teilweise eine Frage der Definition. Für Emys trinacris hat sich der Artstatus in den gängigen Checklisten durchgesetzt. Für den Naturschutz ist die Einordnung mehr als Formalie: Eine eigene Art mit kleinem Verbreitungsgebiet erhält eine eigene Gefährdungsbewertung und rückt stärker in den Blick von Schutzprogrammen.

Für Reisende

Wer auf Sizilien Sumpfschildkröten beobachten möchte, braucht Geduld: Die Tiere sind scheu und tauchen bei der kleinsten Bewegung ab. Fernglas, Abstand und ein ruhiger Platz am Ufer sind der beste Weg. Tiere dürfen selbstverständlich nicht mitgenommen werden.

Quellen und weiterführende Informationen

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