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Emys·HomeEuropäische Sumpfschildkröte

Unterarten der Europäischen Sumpfschildkröte

Über ein riesiges Verbreitungsgebiet von Nordafrika bis zum Aralsee haben sich bei Emys orbicularis viele Lokalformen entwickelt. Wie viele davon eigene Unterarten sind, wird bis heute diskutiert.

Unterartengruppen der Europäischen Sumpfschildkröte Emys orbicularis Orbicularis-GruppeE. o. orbicularis (inkl. Deutschland)E. o. eiseltiHellenica-GruppeE. o. hellenicaGalloitalica-GruppeE. o. galloitalicaE. o. lanzaiE. o. capolongoiE. o. ingaunaOccidentalis-GruppeE. o. occidentalisE. o. hispanicaE. o. fritzjuergenobstiIberica-GruppeE. o. persica (inkl. iberica)
Die fünf Unterartengruppen nach Fritz mit den zugeordneten Unterarten (vereinfacht).

Warum so viele Formen?

Die Europäische Sumpfschildkröte hat das größte Verbreitungsgebiet aller europäischen Schildkröten. Es reicht von Marokko und Tunesien über die Iberische Halbinsel, Frankreich, Italien und den Balkan bis nach Anatolien, zum Aralsee und in den Norden Irans. Während der Eiszeiten zogen sich die Tiere in mehrere voneinander getrennte Rückzugsgebiete zurück. Dort entwickelten sich Populationen, die sich in Größe, Färbung und Zeichnung unterscheiden.

Der Herpetologe Uwe Fritz hat die Systematik der Art seit den 1990er-Jahren maßgeblich geprägt und viele Unterarten beschrieben. Insgesamt wurden deutlich mehr als ein Dutzend Unterarten benannt; welche davon heute noch als gültig gelten, hängt von der Quelle ab. Neuere genetische Arbeiten haben einige Formen wieder zusammengelegt, andere Listen führen weiterhin 14 Namen.

Die Gruppen im Überblick

Für den Überblick ist die Einteilung in Gruppen hilfreicher als eine starre Liste. Sie beruht auf gemeinsamen Merkmalen wie Kopfzeichnung, Form des Nackenschildes und Färbung der Iris.

GruppeTypische MerkmaleVerbreitung (Beispiele)
Orbicularissehr dunkel, mittelgroß bis groß, Männchen mit roter IrisMittel- und Osteuropa bis Aralsee, Deutschland
HellenicaRückenpanzer dunkel, Bauchpanzer meist gelb, Größe regional sehr verschiedenItalien, Balkan
Galloitalicaklein bis mittelgroß, schmaler Nackenschild, ein gelber Streifen am VorderbeinSüd- und Westfrankreich, Italien, Korsika, Sardinien
Occidentalisgroßköpfig, geschnörkelte Kopfzeichnung, beide Geschlechter gleich großNordafrika, Spanien
Ibericagelbe Kehlen, Weibchen kleiner als MännchenKaukasusraum, Iran, Turkmenistan

Die Nominatform in Deutschland

Die Tiere in Deutschland gehören zur Nominatform Emys orbicularis orbicularis. Sie zählt zu den großen, dunklen Formen: Das Plastron ist zumindest bei Männchen überwiegend schwarz, die Männchen haben oft eine rötliche Iris, und Schlüpflinge tragen eine große dunkle Zeichnung auf dem Bauchpanzer. Innerhalb dieser Unterart unterscheidet Fritz zwei Unterformen, eine sehr dunkle östliche und eine etwas hellere, die unter anderem in Frankreich, im Donauraum und in Deutschland vorkommt.

Sumpfschildkröte der dunklen Nominatform – typisch für Mittel- und Osteuropa
Sumpfschildkröte der dunklen Nominatform – typisch für Mittel- und OsteuropaFoto: George Chernilevsky, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Genetik verändert das Bild

Molekularbiologische Untersuchungen an mehreren hundert Tieren aus dem gesamten Verbreitungsgebiet haben rund 20 Entwicklungslinien gefunden, die sich zu sieben Hauptlinien zusammenfassen lassen. Diese Linien decken sich nicht immer mit den äußerlich beschriebenen Unterarten. Eine der Hauptlinien, auf Sizilien verbreitet, wurde 2005 sogar als eigene Art abgetrennt: die Sizilianische Sumpfschildkröte.

Für Halter hat das praktische Folgen. Wer Tiere für ein Schutzprojekt abgibt oder gezielt die heimische Form züchten möchte, kommt um die Herkunftsfrage nicht herum. Äußere Merkmale reichen dafür oft nicht aus – hier hilft nur eine genetische Herkunftsbestimmung.

Unterarten in der Haltung

In der Terraristik werden häufig südliche Formen gepflegt, weil sie kleiner bleiben. Für die ganzjährige Freilandhaltung in Mitteleuropa sind sie aber nicht automatisch geeignet: Ihr natürlicher Jahresrhythmus ist an ein anderes Klima angepasst, manche Formen halten neben der Winter- auch eine Sommerruhe. Wer im Garten halten möchte, fährt mit Tieren nördlicher Herkunft in der Regel am besten. Mehr dazu im Überblick Haltung und Zucht.

Woran man Unterarten im Alltag erkennt

Für Halter ist die wichtigste Frage selten der exakte Name, sondern: Aus welchem Klima stammt mein Tier? Ein paar Anhaltspunkte helfen bei der Einschätzung, ersetzen aber keine Bestimmung durch Fachleute:

  • Größe erwachsener Tiere: Tiere, die deutlich über 16 bis 18 Zentimeter Panzerlänge erreichen, stammen meist aus dem Norden oder Osten des Areals.
  • Färbung des Bauchpanzers: Ein überwiegend schwarzes Plastron spricht eher für die Orbicularis-Gruppe, ein einfarbig gelbes eher für südliche Formen.
  • Irisfarbe der Männchen: Rötliche Augen sind typisch für die Orbicularis-Gruppe, helle Augen eher für Galloitalica.

Sicher ist keines dieser Merkmale allein. Innerhalb einer Population gibt es große Unterschiede, und Tiere aus der Haltung sind nicht selten Mischungen verschiedener Herkünfte.

Was „Lokalform“ bedeutet

Neben den benannten Unterarten ist in der Haltung oft von Lokalformen die Rede, etwa „Brandenburger“ oder „Donau-Tiere“. Gemeint sind Tiere einer bestimmten Region, deren Herkunft über Generationen dokumentiert ist. Solche Linien sind für Züchter mit Artenschutzanspruch besonders wertvoll. Wer Tiere mit einer solchen Bezeichnung übernimmt, sollte sich die Dokumentation zeigen lassen – eine Herkunftsangabe ohne Nachweis ist wenig wert.

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