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Emys·HomeEuropäische Sumpfschildkröte

Ernährung und Fütterung der Europäischen Sumpfschildkröte

In der Natur frisst Emys orbicularis, was das Gewässer hergibt: Schnecken, Krebschen, Insektenlarven – und mehr Pflanzen, als lange angenommen. Eine gute Fütterung in der Haltung orientiert sich an dieser Vielfalt.

Gut genährte Sumpfschildkröte – Fütterung und Sonne gehören zusammen.
Gut genährte Sumpfschildkröte – Fütterung und Sonne gehören zusammen.Foto: George Chernilevsky, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Was frisst sie in der Natur?

Die Europäische Sumpfschildkröte ist überwiegend ein Fleischfresser. Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem Wasserschnecken, Krebstiere, Insektenlarven und andere wirbellose Tiere, dazu Kaulquappen, tote Fische und Aas. Größere Brocken hält sie mit den Vorderbeinen fest und reißt Stücke mit den scharfen Kieferkanten ab.

Entgegen älteren Darstellungen nimmt sie in allen Altersstufen aber auch pflanzliche Kost auf, etwa Wasserpest, Algen und Wasserlinsen. Im Kot wurden sogar Samen der Gelben Teichrose gefunden. Mit zunehmendem Alter steigt der Pflanzenanteil tendenziell an.

Fütterung in der Haltung

Die beste Grundlage ist eine abwechslungsreiche Mischung aus möglichst ganzen Futtertieren. Ganze Tiere liefern Mineralstoffe und Vitamine in natürlichem Verhältnis.

FutterBewertung
Wasserschnecken (z. B. Posthorn-, Spitzschlammschnecken), Regenwürmersehr gut; Schneckenhäuser liefern Kalzium
Bachflohkrebse, Wasserasseln, Mückenlarvensehr gut, auch für Jungtiere
Ganze Futterfische, gelegentlichgut, aber Art beachten (Thiaminase)
Wasserpflanzen, Wasserlinsen, Löwenzahngut als Ergänzung, wird teils gern genommen
Fertigfutter (Sticks, Pellets)als Ergänzung brauchbar, nicht als Alleinfutter
Rohes Muskelfleisch, Wurst, Katzenfutterungeeignet – zu fett, zu eiweißreich, falsches Mineralstoffverhältnis

Wie oft und wie viel?

Die Futtermenge hängt stark von Temperatur und Alter ab. Jungtiere im ersten Lebensjahr werden in der Regel ein- bis zweimal täglich in kleinen Portionen gefüttert, ältere Jungtiere und Erwachsene seltener. Ein bewährter Grundsatz: Nur so viel anbieten, wie innerhalb weniger Minuten gefressen wird, und Reste entfernen. Überfütterung führt zu verfetteten Tieren, zu schnellem Wachstum mit Panzerproblemen und zu schlechtem Wasser.

An kühlen Tagen fressen die Tiere wenig oder gar nicht – das ist normal. Vor der Winterstarre wird die Fütterung schrittweise reduziert und schließlich eingestellt, damit der Darm leer ist (siehe Überwinterung).

Thiaminase: das Problem mit manchen Fischen

Einige Fischarten enthalten das Enzym Thiaminase, das Vitamin B1 (Thiamin) abbaut. Wird überwiegend solcher Fisch verfüttert – besonders tiefgefrorener –, kann ein Vitamin-B1-Mangel entstehen, der zu neurologischen Störungen führt. Fisch sollte deshalb nur ein Teil des Speiseplans sein und aus verschiedenen Arten bestehen. Viele Halter verzichten weitgehend darauf und setzen auf Schnecken, Würmer und Krebstiere.

Kalzium und Vitamin D3

Für den Aufbau des Panzers brauchen die Tiere Kalzium und Vitamin D3. Das Vitamin bilden sie mithilfe von UV-B-Strahlung in der Haut. Im Freiland liefert die Sonne ausreichend UV-Licht; in der Innenhaltung ist eine geeignete Lampe nötig (siehe UV-Licht und Wärme). Kalzium kommt über Schneckenhäuser, ganze Futtertiere oder eine Sepiaschale im Wasser.

Futter selbst gewinnen

Im naturnahen Teich stellt sich mit der Zeit eine eigene Futtergrundlage ein: Schnecken, Insektenlarven, Wasserasseln. Eine separate Futterzucht, etwa ein kleines Becken mit Wasserschnecken, erleichtert die Versorgung. Wie sich Fertigfutter und Naturfutter vergleichen lassen, zeigt der Beitrag Schildkrötenfutter im Check.

Fütterung im Jahreslauf

Orientierung für erwachsene Tiere im Freiland
ZeitFütterung
nach dem Erwachen im Frühjahrerst füttern, wenn die Tiere warm und aktiv sind; kleine Portionen
Mai bis AugustHauptfresszeit; regelmäßig, abwechslungsreich, Reste entfernen
SeptemberMengen langsam reduzieren
einige Wochen vor der WinterruheFütterung einstellen, damit der Darm leer ist

Anzeichen falscher Ernährung

  • Verfettung: Speckfalten an Beinen und Hals, Tier kann Kopf und Beine kaum noch vollständig einziehen.
  • Zu schnelles Wachstum: breite, helle Zuwachsstreifen zwischen den Schilden, unebener, „höckriger“ Panzer.
  • Kalziummangel: weicher Panzer bei Jungtieren, verformte Kiefer.
  • Vitaminmangel: geschwollene Augenlider (häufig Vitamin-A-Mangel), Koordinationsstörungen (möglicher B1-Mangel).

Bei solchen Anzeichen hilft ein reptilienkundiger Tierarzt weiter. Eine Korrektur der Ernährung wirkt meist langsam, aber zuverlässig.

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