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Emys·HomeEuropäische Sumpfschildkröte

Überwinterung der Europäischen Sumpfschildkröte: Teich oder Kühlschrank?

Die Winterstarre ist keine Kür, sondern ein fester Teil des Jahres. Richtig gemacht, ist sie für gesunde Sumpfschildkröten unproblematisch. Falsch gemacht, ist sie die häufigste Ursache für Verluste in der Haltung.

Querschnitt einer Teichanlage für Europäische Sumpfschildkröten Schematischer Schnitt: ausbruchsicherer Zaun, sandiger Eiablagehügel, Flachwasserzone, Sonnenplatz auf einem Stamm, tiefe Zone zur Überwinterung und Wasserpflanzen. Die Nummern führen zu den passenden Beiträgen. Winterstarre Zaun mit Überhang Eiablagehügel Flachwasser tiefe, frostfreie Zone
Die tiefe, frostfreie Zone ist das Winterquartier im Gartenteich.

Warum überhaupt Winterstarre?

Europäische Sumpfschildkröten stammen aus Regionen mit kalten Wintern. Ihr Stoffwechsel, ihr Hormonhaushalt und damit ihre Fortpflanzung sind an einen jährlichen Wechsel von aktiver Zeit und Ruhe angepasst. Tiere, die dauerhaft warm gehalten werden, leben „auf Verschleiß“ – typisch sind Verfettung, Fortpflanzungsprobleme und eine verkürzte Lebenserwartung. Für Tiere mediterraner Herkunft gilt das in abgeschwächter Form; sie brauchen oft eine kürzere, mildere Ruhephase (siehe Unterarten).

Voraussetzungen

  • Nur gesunde, gut genährte Tiere überwintern. Kranke oder stark untergewichtige Tiere gehören vorher zum Tierarzt.
  • Der Darm muss leer sein. Die Fütterung wird im Herbst mit sinkenden Temperaturen reduziert und einige Wochen vor der Winterruhe ganz eingestellt.
  • Das Winterquartier muss frostfrei, kühl und stabil sein.

Variante 1: Im Gartenteich

Das ist die natürlichste Form. Die Tiere suchen im Herbst von selbst die tieferen Bereiche auf und graben sich teils in den Schlamm ein. Damit das gut geht, braucht der Teich eine Zone, die nicht bis zum Grund durchfriert. In Mitteleuropa wird dafür häufig eine Tiefe von rund einem Meter genannt, in kalten Lagen mehr. Entscheidend sind außerdem:

  1. Sauerstoff: Die Tiere atmen im Winter über Kloake und Haut. Das Wasser braucht deshalb ausreichend Sauerstoff. Viel faulendes Laub am Grund zehrt Sauerstoff – Laub im Herbst abfischen.
  2. Gasaustausch: Bei lang anhaltender, geschlossener Eisdecke kann ein Eisfreihalter helfen. Eis nie aufschlagen – die Druckwellen stören die Tiere.
  3. Ruhe: Keine Umbauten, kein Absaugen des Grundes im Winter.
  4. Schutz: Tiere in Winterstarre können sich nicht wehren; flache, schlammige Stellen, an denen Ratten sie erreichen, sind riskant (siehe Ratten).

Variante 2: Kontrolliert im Kühlschrank

Vor allem für Jungtiere, für kleinere Teiche oder in Jahren mit unsicheren Bedingungen überwintern viele Halter ihre Tiere kontrolliert. Dazu kommt jedes Tier in einen Behälter mit Wasser (oder feuchtem Substrat, je nach Methode) in einen Kühlschrank oder einen gleichmäßig kühlen Raum. Häufig genannte Richtwerte liegen bei etwa 4 bis 6 °C. Ein separates Thermometer ist Pflicht, denn Kühlschränke schwanken; besser ist ein Gerät nur für die Tiere, das nicht ständig geöffnet wird.

Vergleich der Varianten
KriteriumGartenteichKühlschrank/kühler Raum
Natürlichkeithochgeringer
Kontrollegeringhoch
RisikoSauerstoffmangel, Frost, FressfeindeTechnikausfall, Austrocknung, zu hohe Temperatur
geeignet fürerwachsene Tiere in großen, tiefen TeichenJungtiere, kleine Anlagen, unsichere Winter

Kontrolle während der Ruhe

Bei der kontrollierten Überwinterung werden die Tiere regelmäßig kurz angesehen und gewogen, etwa alle zwei bis vier Wochen. Ein langsamer Gewichtsverlust ist normal. Ein deutlicher Verlust, Ausfluss aus Augen oder Nase oder ein ungewöhnlich aktives Tier sind Warnzeichen: Dann Überwinterung abbrechen und Tierarzt aufsuchen.

Nach dem Erwachen suchen die Tiere zuerst die Sonne.
Nach dem Erwachen suchen die Tiere zuerst die Sonne.Foto: George Chernilevsky, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Aufwachen im Frühjahr

Tiere aus dem Kühlschrank werden im Frühjahr langsam an höhere Temperaturen gewöhnt. Erst wenn sie warm und aktiv sind, wird wieder gefüttert. Im Teich übernimmt das die Natur – Halter sollten die Tiere nach dem Erwachen aber genau beobachten: Tiere, die tagelang nur apathisch am Ufer liegen, nicht fressen oder Schwimmprobleme haben, gehören untersucht.

Checkliste Herbst

  1. Anfang bis Mitte September: Gesundheitscheck – Gewicht, Augen, Nase, Panzer.
  2. Fütterung schrittweise reduzieren und rechtzeitig einstellen.
  3. Laub über dem Teich mit einem Netz abfangen.
  4. Tiefe Zone auf Schlammmenge prüfen – nicht erst im Winter eingreifen.
  5. Bei kontrollierter Überwinterung: Gerät einige Tage vorher mit Thermometer testen.
  6. Gewicht aller Tiere notieren, damit Verluste später vergleichbar sind.

Wie lange dauert die Winterruhe?

Die Dauer richtet sich nach Herkunft und Klima. Tiere nördlicher Herkunft ruhen in Mitteleuropa meist mehrere Monate. Tiere südlicher Formen benötigen oft eine kürzere Ruhe; für sie ist eine sehr lange, kalte Überwinterung eher belastend. Wer die Herkunft seiner Tiere kennt (Unterarten), kann die Winterruhe besser anpassen.

Frühjahrsputz

Nach dem Aufwachen ist der richtige Zeitpunkt, die Anlage zu kontrollieren: Zaun und Untergrabschutz prüfen, Winterschäden an Sonnenplätzen reparieren, abgestorbene Pflanzenteile entfernen. Größere Arbeiten am Teich sollten erledigt sein, bevor die Paarungszeit beginnt.

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