Zucht der Europäischen Sumpfschildkröte: Eiablage, Inkubation, Schlupf
Wenn im Juni ein Weibchen den Teich verlässt und im Sand zu graben beginnt, ist das für jeden Halter ein besonderer Moment. Damit aus den Eiern gesunde Jungtiere werden, braucht es Vorbereitung – und Verantwortung für den Nachwuchs.
Bevor es losgeht: die Verantwortung
Europäische Sumpfschildkröten legen pro Jahr oft zehn und mehr Eier und werden sehr alt. Wer züchtet, muss wissen, wohin der Nachwuchs geht. Jedes Jungtier braucht einen Herkunftsnachweis und muss der Behörde gemeldet werden (siehe Recht und Herkunft). Unkontrollierte Vermehrung ist kein Artenschutz.
Der Eiablageplatz
Weibchen suchen zur Eiablage einen warmen, trockenen, gut besonnten Platz mit lockerem, grabfähigem Boden. In der Anlage bewährt sich ein erhöhter, nach Süden geneigter Hügel aus einem Sand-Lehm-Gemisch, das sich formen lässt, ohne zu verkleben. Er sollte nur spärlich bewachsen sein und gut abtrocknen.
Die Eiablage erfolgt meist im Juni, oft an warmen Nachmittagen oder Abenden. Das Weibchen gräbt mit den Hinterbeinen eine enge Öffnung, die sich zu einer birnenförmigen Kammer von etwa zehn Zentimetern Tiefe erweitert. Nach der Ablage wird das Nest verschlossen und festgedrückt – oft ist es danach kaum noch zu finden. Weibchen, die unruhig am Zaun entlanglaufen und immer wieder Probegrabungen machen, sind in Legestimmung.
Naturbrut oder Inkubator?
Bei der Naturbrut bleiben die Eier im Nest. In warmen Sommern schlüpfen die Jungtiere nach etwa 80 bis 120 Tagen. Das Nest muss dann mit einem Gitterkorb gegen Ratten, Mäuse, Füchse und Vögel gesichert werden. In kühlen Sommern kann die Entwicklung scheitern oder sich bis ins nächste Jahr ziehen.
Beim Inkubator werden die Eier vorsichtig ausgegraben und in ein feuchtes Brutsubstrat wie Vermiculite umgebettet. Wichtig: Eier dürfen nach der Ablage nicht gedreht werden – die Oberseite markieren und genau so wieder einbetten. Die Brut läuft bei konstanter Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit.
Temperatur bestimmt das Geschlecht
Bei der Europäischen Sumpfschildkröte beeinflusst die Bruttemperatur das Geschlecht. Laborversuche ergaben: unter 28 °C schlüpfen Männchen, über 29,5 °C überwiegend Weibchen, dazwischen beide.
Viele Züchter wählen bewusst Temperaturen, die ein ausgeglichenes Verhältnis oder einen Weibchenüberschuss ergeben, weil zu viele Männchen in einer Anlage zu Stress führen. Zu hohe Temperaturen erhöhen allerdings das Risiko von Missbildungen und Absterben. Temperaturen am oberen Rand also nur mit präziser Technik ansteuern.
Der Schlupf
Kurz vor dem Schlupf ritzen die Jungtiere die Schale mit dem Eizahn an. Der Schlupf kann Stunden bis Tage dauern; nicht nachhelfen. Oft haben die Kleinen noch einen Dottersackrest am Bauch. Solange er nicht eingezogen ist, bleiben sie auf feuchtem Substrat und kommen noch nicht ins tiefe Wasser. Danach geht es in die Aufzucht.
| Merkmal | Richtwert |
|---|---|
| Eiablage | meist Juni, im Süden oft zweites Gelege |
| Gelegegröße | im Mittel 9–15 Eier, selten über 20 |
| Eigröße | etwa 20–25 mm, 6–10 g |
| Inkubationsdauer | etwa 80–120 Tage (temperaturabhängig) |
| Schlüpfling | 2–3 cm, 4–6 g |
Probleme erkennen
Eier, die nach einigen Wochen gelblich-matt bleiben, schimmeln oder einfallen, waren meist unbefruchtet oder sind abgestorben. Einzelne verdorbene Eier entfernt man, damit der Schimmel nicht auf die anderen übergreift. Weibchen, die in der Legezeit keinen geeigneten Platz finden, halten die Eier manchmal zurück – eine Legenot ist ein Fall für den Tierarzt.
Die Legezeit beobachten
Viele Halter führen im Juni ein kleines Legetagebuch: Datum, Uhrzeit, Temperatur, welches Weibchen, wo gegraben wurde. Über die Jahre zeigt sich, bei welchem Wetter die Tiere legen und welche Stellen sie bevorzugen. Das erleichtert das Auffinden der Nester erheblich.
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