Der Jahreslauf der Sumpfschildkröte: Winterstarre, Paarung, Eiablage, Schlupf
Das Leben der Europäischen Sumpfschildkröte folgt einem strengen Takt, den die Temperatur vorgibt. Wer diesen Takt kennt, versteht ihre Gefährdung – und hält sie besser.
Winter: Starre am Gewässergrund
In Mitteleuropa verbringen Europäische Sumpfschildkröten etwa die Monate Oktober bis März oder April in Winterstarre. Sie suchen dazu den Grund ihres Gewässers auf, graben sich teilweise in den Schlamm ein, stellen die Nahrungsaufnahme ein und fahren ihren Stoffwechsel stark herunter. Die Lunge wird in dieser Zeit kaum genutzt: Den geringen Sauerstoffbedarf decken sie über die Schleimhäute der Kloake und über die Haut. Das funktioniert nur, wenn das Wasser am Grund nicht gefriert und ausreichend Sauerstoff enthält – ein Punkt, der für die Überwinterung im Gartenteich entscheidend ist.
Frühjahr: Sonnen und Paarung
Sobald die Sonne das Flachwasser erwärmt, erscheinen die ersten Tiere an ihren Sonnenplätzen. In dieser Phase sind sie besonders scheu und liegen oft stundenlang auf Totholz oder Grasbülten. Kurz nach dem Erwachen beginnt die Paarungszeit. Männchen verfolgen die Weibchen im Wasser, klammern sich auf dem Rückenpanzer fest und bringen das Weibchen mit Kopfbewegungen und Schnappen dazu, den Kopf einzuziehen – dadurch wird die Kloake erreichbar.
Die Geschlechtsreife tritt spät ein: je nach Region und Geschlecht mit vier bis 18 Jahren, im Mittel mit acht bis zehn Jahren.
Juni: Wanderung zur Eiablage
Die Eiablage fällt überwiegend in den Juni. Die Weibchen verlassen dafür das Wasser und wandern – oft jedes Jahr zu denselben Plätzen – zu trockenen, sandigen, sonnigen Stellen mit schütterem Bewuchs. An warmen Nachmittagen und Abenden graben sie mit den Hinterbeinen eine etwa zehn Zentimeter tiefe, birnenförmige Nisthöhle. Harter Boden wird dabei mit Wasser aus den Analblasen aufgeweicht. Nach der Ablage verschließen sie das Nest sorgfältig und drücken den Boden fest.
Ein Gelege umfasst im Mittel 9 bis 15 Eier, gelegentlich über 20. Die Eier sind etwa 20 bis 25 Millimeter lang und wiegen sechs bis zehn Gramm. Im Norden des Areals sind die Gelege größer, im Süden kleiner – dafür folgt dort oft ein zweites Gelege im Sommer. Wie man das im Garten unterstützt, steht unter Zucht und Eiablage.
Sommer: Temperatur macht das Geschlecht
Bei der Europäischen Sumpfschildkröte wird das Geschlecht der Jungtiere wesentlich von der Bruttemperatur beeinflusst. Seit den Arbeiten des französischen Biologen Claude Pieau ab 1974 weiß man: Im Brutapparat entstehen bei konstant unter 28 °C Männchen, bei über 29,5 °C überwiegend Weibchen, dazwischen beide Geschlechter. Im Freiland ist das Bild komplizierter, weil die Temperaturen im Nest schwanken und vermutlich auch genetische Faktoren mitwirken. So entstehen selbst am kühlen Nordrand des Areals genügend Weibchen.
Spätsommer: Schlupf
Nach etwa 80 bis 120 Tagen schlüpfen die Jungtiere, meist im August oder September. Sie sind dann nur zwei bis drei Zentimeter lang und wiegen vier bis sechs Gramm. Mit dem Eizahn ritzen sie die Schale an, der Schlupf dauert mehrere Stunden. Oft bleiben die Kleinen danach noch eine Weile in der Nisthöhle; im Norden des Verbreitungsgebiets überwintern sie teilweise sogar darin und kommen erst im folgenden Frühjahr an die Oberfläche.

Herbst: zurück in die Tiefe
Mit sinkenden Wassertemperaturen werden die Tiere träger, fressen weniger und suchen schließlich wieder tiefere Bereiche auf. Wie gut sie durch den Winter kommen, hängt vom Ernährungszustand ab, den sie sich im Sommer angefressen haben.
| Zeitraum | Phase |
|---|---|
| Oktober/November bis März/April | Winterstarre am Gewässergrund |
| April bis Mai | Sonnen, Fressen, Paarung |
| Juni | Eiablage an Land |
| Juli bis August | Hauptfresszeit, Eier entwickeln sich im Boden |
| August bis September | Schlupf der Jungtiere |
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